Marta

Wieso eigentlich MartaHara?

Wenn sich zwei Frauen auf dem Mount Everest Gipfel treffen, kommen sie wahrscheinlich irgendwann darauf zu sprechen, dass sie beide mal bei Marta Karate oder Selbstverteidigung trainiert haben. Das gehörte jahrzehntelang zur Selbstverwirklichung einer Frau in Berlin dazu: Bei Marta – der Legende in Sachen Frauen-Kampfkunst – Selbstverteidigung zu lernen und Impulse für ein Leben als „starke Frau“ zu bekommen. Denn bei Marta gab es nicht nur Karate: Marta hat sich immer neue Herausforderungen gesucht; so im Karate, im Jiu Jitsu und im Modern Arnis, aber auch Artistik, Jonglage und Stepp-Tanzen konnten wir bei ihr lernen.

Marta Schediwy war die erste Frau, die in Deutschland einen schwarzen Gürtel im Karate gemacht hat. Anfang der 70er Jahre, als Karate-Meister vor dem Gesetz ähnlich behandelt wurden wie Träger eines Waffenscheins, gab es kaum Frauen in den Dojos und so hat Marta sich unter schwierigen Bedingungen ihre Ausbildung unter lauter Männern erkämpft.

Das hat nicht immer Spaß gemacht und Marta hatte sowieso viel mehr Lust mit  Frauen zu trainieren. Sie war sehr aktiv in der Frauenbewegung, wo sie als erfahrene Praktikerin im Kreis bekannter Feministinnen für die Unabhängigkeit von Frauen kämpfte. Im Zuge des Aufbruchs der Frauen war aber auch klar: Gegenwehr muss fundiert sein und erfordert regelmäßiges Training. Das wollten wir in eigenen Räumen machen, in denen man nicht erst den Schutt wegfegen und dann unliebsame männliche Zuschauer oder Störer hinauskomplimentieren musste. So nahmen dann bald ein paar Frauen die Sache in die Hand und gründeten einen Verein, der legendär wurde als einer der ersten reinen Frauenkampfkunst-Vereine der Welt, den Selbstverteidigung für Frauen e.V. Bald wurde der erste Raum zu klein und der Verein suchte sich ein eigenes Domizil mit 2 Dojos und weiteren Räumen zur Vereinsarbeit.

Nicht nur das Private war politisch, auch die Kampfkunst: Statt zu Wettkämpfen und Prüfungen ging Frau gemeinsam zu Demos und zu Gerichtsverhandlungen, machte die Security bei Frauenveranstaltungen oder unterstützte Vergewaltigungsopfer bei ihrem Kampf mit der Justiz. Solidarität und gegenseitige Unterstützung wurden großgeschrieben und der bald darauf gegründete Verein wuchs allein durch Mundpropaganda. Die Kurse platzten aus allen Nähten – es gab monatelange Wartelisten.

Lange Jahre wurde dort erfolgreich Kampfkunst für Frauen betrieben: Viele namhafte und einige hochrangige DAN-Trägerinnen und Trainerinnen haben im SVF ihre ersten Schritte gemacht und tragen den Gedanken der Selbstverteidigung und der Kampfkunst von und für Frauen weiter. Auch wenn die Räume in der Hauptstraße Geschichte sind und Marta ihre wohlverdiente Rente genießt: Es geht weiter!

Mittlerweile kommt die vierte-fünfte Generation zum Training; Mütter und einige inzwischen Großmütter die selber im SVF trainiert haben, schicken ihre Kinder heute zu MartaHara. Hier unterrichten Trainerinnen, die direkt von Marta kommen bzw. jahrzehntelang mit ihr zusammengearbeitet haben. Und das gilt nicht nicht nur für Mädchen: Heute können auch Jungen Deeskalationstraining machen oder Väter mit ihren Töchtern trainieren. Wie Marta einmal sagte: „Eigentlich müssten nicht Frauen Selbstverteidigung lernen, sondern Männern lernen, bestimmte Verhaltensweisen abzulegen“. In diesem Sinne wird MartaHara das Erbe bewahren und weiterentwickeln.

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Artikel zur Selbstverteitidung – Courage 1976_02-1

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